Die verborgene Welt unter unseren Füßen

Warum der Boden unser wichtigstes Ökosystem ist

In diesem Jahr richten wir unseren Blick besonders auf die Welt, die sich direkt unter unseren Füßen befindet. Unter dem Motto „Boden – Du stehst drauf“ rücken wir die vielfältigen Funktionen des Bodens in den Mittelpunkt: als Klimaschützer, Lebensraum, Nahrungsgrundlage, Energiequelle sowie als natürlicher Schadstoff- und Wasserfilter.

Doch dieses wertvolle Ökosystem ist weltweit bedroht. Intensive Landwirtschaft, der massive Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln oder falsche Bewässerung beeinträchtigen die Bodenqualität massiv. In trockenen Regionen kann dies Erosion und letztlich sogar Wüstenbildung – eine irreversible Form der Bodendegradation – zur Folge haben.

Auch in Mitteleuropa ist der Schutz gesunder Böden dringend notwendig. Projekte zur Aufwertung und Entsiegelung, klimafreundliche Landnutzungsformen sowie eine nachhaltige Landwirtschaft leisten entscheidende Beiträge, um die lebenswichtigen Funktionen der Böden zu erhalten.

Boden als Klimaschützer

Böden – vor allem ihr Humusanteil – können große Mengen CO₂ als Kohlenstoff speichern und leisten damit einen zentralen Beitrag zum Klimaschutz. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht, etwa durch intensive landwirtschaftliche Nutzung, werden die gespeicherten Treibhausgase wieder freigesetzt. Ein besonders drastisches Beispiel ist die Trockenlegung von Mooren, die enorme Emissionen verursacht.

Boden als Lebensraum

In einer einzigen Handvoll Erde sind mehr Lebewesen – von Regenwürmern bis zu Bakterien –, als Menschen auf der Erde leben. 60 Prozent der gesamten Artenvielfalt der Erde befinden sich in Böden. Diese Organismen sorgen in einem ständigen Prozess der Zersetzung und Umwandlung dafür, dass Nährstoffe freigesetzt oder gebunden werden – die Basis für fruchtbares Pflanzenwachstum.Intensive Bewirtschaftung und der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel können dieses empfindliche Gefüge erheblich stören und die Artenvielfalt im Boden dauerhaft vermindern.

Boden als Wasserspeicher und natürlicher Filter

Böden haben die Fähigkeit, Wasser zu speichern und den Wasserhaushalt zu regulieren. Dadurch können sie sowohl Hochwasser abmildern als auch Pflanzen in Trockenperioden versorgen. Zusätzlich filtern sie Wasser und sind somit entscheidend für die Bildung von Grund- und Trinkwasser.

Wie viel Wasser ein Boden speichern kann, hängt sowohl von seiner Beschaffenheit als auch vom menschlichen Einfluss ab: Während Sandböden wenig Wasser halten, sind Lehm- und Tonböden deutlich speicherfähiger. Belastungen durch Befahren oder intensive Nutzung führen jedoch häufig zu Verdichtung – und damit zu einer drastischen Verschlechterung der Wasserspeicherfunktion. Besonders problematisch ist die Versiegelung von Flächen, denn sie unterbindet die natürliche Wasserregulation nahezu vollständig und reduziert zudem den natürlichen Bewuchs der Böden. Dabei sind gerade in urbanen Gebieten Grünflächen von immenser Bedeutung: Sie verbessern das Stadtklima, fördern die Artenvielfalt, tragen zu sauberer Luft bei und bieten eine erhöhte Aufenthaltsqualität.

Auf dem UMWELTFESTIVAL möchten wir dem Boden daher eine Bühne geben, Fragen stellen und Lösungsansätze bieten. Welchen Beitrag kann der Boden zum natürlichen Klimaschutz leisten, welche Rolle spielt eine nachhaltige Landwirtschaft für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und wie können wir Entsiegelungsprojekte in unseren Kommunen fördern? Wie kann sich jede*r für Bodenschutz einsetzen – zuhause, im Kiez, in der Stadt und darüber hinaus?